
Wie viele Minuten dauert es eigentlich, bis der Kopf nach einem vierstündigen Lenkungsausschuss-Meeting wieder klar wird? Bei mir war das früher keine Frage von Minuten, sondern von ganzen Nachmittagen. Kopf dumpf, Augen brennend, der Kaffee ohne jede Wirkung außer einem leichten Zittern in den Fingern. Genau in so einem Zustand saß ich mal wieder in meinem Büro in München – und fing an, ernsthaft mit isochronen Tönen zu experimentieren, um überhaupt noch mentale Klarheit für den restlichen Arbeitstag zu finden.
Davor hatte ich einiges ausprobiert. Ich hatte mir vorgenommen, ab dem frühen Nachmittag konsequent auf Kaffee zu verzichten – in der Theorie eine gute Idee, in der Praxis saß ich trotzdem mit dröhnendem Kopf vor dem Bildschirm, nur eben zusätzlich unausgeschlafen und gereizt. Es hat schlicht nicht funktioniert, jedenfalls nicht bei mir. Eine Kollegin aus der IT-Beratung, Kordula, schickte mir irgendwann einen Link zu neowake, dazu nur der Kommentar: probier das mal ohne Erwartung. Sie selbst kämpft mit Einschlafproblemen, weil sie abends zu lange auf Bildschirme starrt – vielleicht hat sie deshalb so genau hingeschaut, bevor sie mir den Link schickte.
Warum ich nach Meetings inzwischen zu isochronen Tönen greife
Im IT-Projektmanagement sind Meetings selten ein nettes Beisammensein. Man jongliert Budgets, technische Roadmaps und die Befindlichkeiten von Stakeholdern, und danach ist der Kopf leer wie ein Konferenzraum um Mitternacht. Der Impuls, sich noch einen Kaffee zu holen, ist riesig – aber mein Magen protestiert inzwischen zuverlässig gegen die fünfte Tasse, während mein Kopf trotzdem einen Reset braucht. Also wähle ich stattdessen eine kurze Session mit isochronen Tönen. Fokus im Job heißt für mich inzwischen auch, diese Pause bewusst einzubauen, statt sie zu überspringen. Wie isochrone Töne im Detail wirken und wie man sie gezielt für komplexe Aufgaben einsetzt, habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben – hier soll es eher darum gehen, was das im normalen Büroalltag bedeutet.
Angefangen hat das alles übrigens nicht im Büro, sondern nachts. Der Moment, der mir zeigte, dass sich etwas verschoben hatte, war unspektakulär: Ich schlug irgendwann die Augen auf, und der Wecker hatte offenbar schon eine Weile geklingelt, ohne dass ich es überhaupt mitbekommen hatte. Solche Morgen kannte ich vorher nicht. Aus den Sessions vorm Einschlafen wurden mit der Zeit auch Sessions zwischen zwei Meetings – der Übergang war eigentlich naheliegend.

Mein Schreibtisch am Hinterhoffenster
Mein Schreibtisch steht am Hinterhoffenster, lässt sich hochfahren, wenn die Beine unruhig werden, und der Kastanienbaum im Hof ist inzwischen mein informeller Wetterbericht für den Tag. Rechts läuft der zweite Monitor, meistens mit der aktuellen Teams-Kachel, links alles andere, woran ich gerade arbeite. Der kabellose Kopfhörer liegt links auf dem Tisch griffbereit, falls ich ihn doch mal brauche, und rechts daneben liegt das iPad mit dem Apple Pencil obenauf – die Notizen-App ist bei mir praktisch dauerhaft offen.
Notiert habe ich anfangs nur, ob ich geschlafen habe oder nicht. Mittlerweile steht in der App auch, welche Einstellung ich nach welcher Art Meeting wähle – ein reines Status-Update braucht bei mir eine andere Antwort als eine Krisensitzung. Kordula fragt manchmal beiläufig nach, ob ich die Session heute schon gemacht habe, so wie man jemanden nach dem Wochenende fragt.
Und was ist mit binauralen Beats, Solfeggio & Co.?
Wer sich länger mit dem Thema beschäftigt, stolpert schnell über eine ganze Liste an Begriffen. Binaurale Beats, Solfeggio-Frequenzen, Rife-Frequenzen, verschiedene Gehirnwellen-Bereiche, eine durchdachte Abendroutine für den Schlaf, das gezielte Verlängern von Tiefschlafphasen, am Anfang habe ich das alles munter durcheinandergeworfen. Anders als bei binauralen Beats brauche ich für isochrone Töne keine Kopfhörer, was im Büro mit Kolleginnen in Hörweite einfach praktischer ist. Für alles Weitere, gerade zum Gehirnwellen-Entrainment im Büro, empfehle ich einen eigenen Deep Dive, hier würde es den Rahmen sprengen.
Mein liebstes Beispiel dafür, wie sich das Ganze in ein richtiges Protokoll gießen lässt, stammt übrigens nicht von mir. Ein Stammleser aus Bochum, Tadeusz, schickt mir regelmäßig E-Mails mit seinen eigenen Auswertungen. Er testet verschiedene Plattformen streng nach einem eigenen System und hält fest, was sich zwischen ihnen wirklich unterscheidet. Wer selbst strukturierter vorgehen möchte, findet in meinem Artikel zu DMH Beats und einem eigenen Fokus-Protokoll ein paar Ansätze dafür.

Die Routine nach dem Meeting aufbauen
Konkret sieht das bei mir so aus: Sobald ein Meeting vorbei ist, klappe ich den Laptop kurz zu, atme dreimal bewusst durch und starte eine rund 20-minütige neowake-Session über die Lautsprecher. Genau in dieser Zeit sortiere ich meist die liegen gebliebenen Nachrichten, ohne mich von jeder einzelnen sofort triggern zu lassen. Früher hätte ich in der gleichen Pause zum Handy gegriffen und wäre durch irgendwelche Feeds gescrollt, noch mehr visueller Input für ein System, das ohnehin schon überladen war.
Nicht jeden Tag funktioniert das übrigens gleich gut. An Tagen, an denen mein Kopf schon vorher völlig überreizt ist, wirkt der pulsierende Ton eher störend als beruhigend, fast wie ein zusätzlicher Reiz obendrauf. Das ist zumindest meine eigene Erfahrung, keine allgemeine Regel, ich bin weder Ärztin noch Neurowissenschaftlerin. An solchen Tagen schalte ich die Session lieber aus und drehe stattdessen eine kurze Runde durch den Englischen Garten, wenn die Zeit es hergibt.

Mentale Klarheit nach zehn Wochen: ein ehrliches Fazit
Nach etwa zehn Wochen fiel mir beim Durchblättern meiner Notizen-App etwas auf: Öfter stand da „fokussiert" als „erschöpft", und das war vorher andersherum gewesen. Kein dramatischer Umbruch, eher eine langsame Verschiebung, die ich erst beim Vergleichen mehrerer Wochen-Einträge richtig bemerkt habe.
Die Lehre daraus ist für mich simpel: Es bringt wenig, ausgerechnet in der stressigsten Phase auf die radikalste Methode zu hoffen. Was bei mir tatsächlich half, war die kleine, wiederholbare Pause nach jedem Meeting, nicht die perfekte, sondern die, die ich auch an einem schlechten Tag noch schaffe. Wer selbst etwas Ähnliches ausprobieren will: Fang klein an, erwarte in den ersten Minuten keine Wunder, und höre auf dein eigenes Bauchgefühl, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt.
Meine Deadlines in München werden dadurch nicht weniger, so viel vorweg. Aber wie ich mit ihnen umgehe, hat sich spürbar verändert, und darüber schreibe ich lieber ehrlich als beschönigt. Wenn dein Stress oder dein Schlaf über längere Zeit wirklich zur Belastung wird, ist das hier kein Ersatz für professionelle Hilfe, dann gehört das in die Hände eines Arztes oder einer Psychotherapeutin, nicht in eine Audio-App. Ich jedenfalls hole mir jetzt keine fünfte Tasse Kaffee mehr, sondern starte die nächste Session, mein Magen wird es mir heute Abend danken.